Meine Rede zum Antrag der Grünen Jugend "Zugang zu Kultur & Bildung sichern - Kulturpass wieder einführen!" auf dem Landesparteitag der Grünen Schleswig-Holstein am 23.11.2025:
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Grüne Jugend,
wenn wir Kultur erleben, sehen wir mehr als unseren Alltag – wir sehen die Welt mit anderen Augen. Ein Theaterabend stellt Fragen, die in keinem Schulbuch stehen. Ein Konzert verbindet Menschen, die sich sonst nie begegnen würden. Und ein Buch kann Horizonte öffnen, wo vorher nur Alltag war.
Genau das war die Idee hinter dem KulturPass: Junge Menschen sollten einfach losgehen können – ins Kino, ins Museum, in den Buchladen – ohne vorher die Geldfrage zu stellen. In Frankreich ist das seit vielen Jahren selbstverständlich. Der KulturPass ist ein bisschen wie Interrail: Du steigst ein, fährst los, machst Erfahrungen – und kommst mit einem neuen Blick auf die Welt zurück. Ein Stück kulturelle Freiheit. Ein Anreiz, sich selbst auszuprobieren.
Deshalb: Danke an euch, Grüne Jugend, dass ihr dieses Thema mit eurem Antrag auf die politische Agenda bringt! Ihr erinnert uns daran, dass kulturelle Teilhabe kein Randthema ist, sondern Kern grüner Kultur- und Bildungspolitik – weil Demokratie Menschen braucht, die neugierig bleiben und sich berühren lassen. Dass der Bund dieses Programm nun auslaufen lassen will, sendet das völlig falsche Signal.
Gerade jetzt, wo unsere Demokratie unter Druck steht, brauchen wir mehr Gelegenheiten, uns mit Theater, Kunst und Kultur auseinanderzusetzen – nicht weniger! Kultur erleben darf kein Luxus sein. Kultur erleben ist demokratische Grundbildung.
Aber wir müssen ehrlich sein: Schleswig-Holstein hat gerade keine finanziellen Spielräume, um ein eigenes vergleichbares Landesprogramm aufzulegen. Wer etwas anderes verspricht, weckt Erwartungen, die wir im Haushalt unter den jetzigen Bedingungen schlicht nicht erfüllen können. Doch das heißt nicht, dass wir einfach zusehen – im Gegenteil!
Wir haben in Schleswig-Holstein starke Netzwerke, auf die wir bauen können: PopNet SH, das wir auf unseren Antrag hin künftig noch stärker aus Landesmitteln fördern wollen, unsere Kulturknotenpunkte, die LAG Soziokultur, die Volkshochschulen und Bibliotheken, Jugendzentren, die Konzerte und Poetry-Slams in Stadt und Land veranstalten. Sie alle können Kultur sichtbar machen, Schwellen senken, junge Menschen einladen.
Und wir können gemeinsam mit Verbänden, Stiftungen, Sponsoren und dem Buchhandel kreative Wege gehen: Kleine Freikartenkontingente – wie sie etwa das IMPULS-Festival Norderstedt schon anbietet – „Kulturstart-Pools“, Challenges wie „Drei Orte in 30 Tagen“. Das ist niedrigschwellig, wirksam – und mit Fantasie und Engagement sofort umsetzbar.
Trotzdem: Wir sollten – nein, wir müssen – den Druck auf Berlin erhöhen. Denn ein bundesweit einheitlicher KulturPass verhindert einen Flickenteppich und schafft vergleichbare kulturelle Teilhabe von Flensburg bis Freiburg. Und genau darum kämpfen wir – vielleicht nicht mit großen Summen, aber mit umso mehr Überzeugung, Kreativität und Haltung. Und hoffentlich gemeinsam. Denn am Ende geht es um mehr als ein Förderprogramm – es geht darum, jungen Menschen zu zeigen: Kultur gehört euch!
Beim KulturPass ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Und wie wir als Land damit umgehen, wenn der Bund sich verweigert – dieses Gespräch, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Grüne Jugend, liebe LAG Kultur - fängt heute gerade erst an.
Vielen Dank.