Ohne Kreativität kein Zukunft: Warum Kultur uns im Innersten zusammenhält
"Cada dia que nasce
é na verdade um dia novo,
então essa também é a oportunidade
da gente renovar os nossos sentimentos."
Diese Worte hat eine Kulturministerin, die ich gut kenne, am 1. Januar dieses Jahres gesagt: Margareth Menezes, eine der bedeutendsten Künstlerinnen aus dem Nordosten Brasiliens:
"Jeder neue Tag der anbricht
ist in Wirklichkeit ein kleiner Neubeginn
und damit auch die Möglichkeit,
uns und unsere Gefühle neu zu erfinden."
In einem politischen Amt als Bundesministerin solche Worte öffentlich an das Volk zu richten, wirkt hierzulande vielleicht ungewohnt – ich finde sie treffend und bemerkenswert und sie passen sehr gut zu dem, was wir heute hier miteinander beginnen wollen. Denn: Ein Neujahrsempfang ist mehr als ein Kalenderwechsel, mehr als ein wiederkehrendes Ritual. Er ist ein Moment, innezuhalten: Was war? Was trägt? Und was wollen wir neu beginnen? Und dafür sich und den nötigen Mut zu sammeln.
Wenn wir kurz über Eckernförde hinausblicken, nach Brasilien, nach Venezuela, in die USA, nach Grönland, ist eine „neue weltpolitische Ordnung“ gerade überall Gesprächsthema. Gemeint ist damit jedoch weniger eine Ordnung, sondern vielmehr eine Unordnung, eine Umordnung, eine Neukonstellation und politische Macht- und Kräfteverschiebungen. Autoritäre Machthaber und Regime schließen öffentliche Räume – für Opposition, für Zivilgesellschaft, für die Kultur. Wir sehen willkürliche Festnahmen, Einschüchterungen und Zensur, wie aktuell in Venezuela oder im Iran. Wir sehen, wie kulturelle und mediale Freiheit zur politischen Verhandlungsmasse wird.